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Freilicht-Festspiele Vohburg

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Über die Freilicht-Festspiele Vohburg

Seit 2001 strömen alle 2 Jahre zahlreiche Besucher zu den Freilicht-Festspielen Vohburg. Neben den Aufführungen der tragischen Geschichte der Agnes Bernauer erhalten auch die Komödien großen Beifall und viel Lob von der Fachpresse. Ein Grund dafür ist die einmalige Atmosphäre vor historischer Kulisse auf dem Vohburger Burgberg. Ein anderer die mehr als 100 Mitwirkenden, die - angeleitet von einem Profi-Regisseur - mit ihrer großen Freude am Theaterspiel die Zuschauer in ihren Bann ziehen und in Massenszenen wie auch in den kleinen Dialogen begeistern können.

Wir bedanken uns bei unseren Sponsoren:

Mehr als 100 - jährige Tradition der
Agnes-Bernauer-Festspiele Vohburg

 

Höhepunkte im Kath. Bürgersöhne- und Gesellenverein respektive Kolpingsfamilie Vohburg waren und sind die Agnes Bernauer-Festspiele, die erstmals 1909, und danach jeweils anlässlich markanter Vereinsjubiläen in den Jahren 1926, 1951 und 1976 aufgeführt wurden. Die Handlung ergibt sich aus einer geschichtlichen Verpflichtung. Hat doch der Bayer. Herzogssohn Albrecht III. (1401 - 1460) um das Jahr 1431 die schöne Augsburger Baderstochter Agnes Bernauer auf die Vohburg geholt, die ihm von seiner Mutter Elisabeth, einer geborenen Visconti aus Mailand, geschenkt worden war. Hier fühlte er sich sicher, weil ihm auch das Personal unterstellt war. In Vohburg hat Albrecht sich wahrscheinlich mit Agnes vermählt. Dort verbrachten beide ihre glücklichsten Jahre, bis das Herzogspaar 1435 nach Straubing übersiedelte und Agnes am 12. Oktober 1435 in der Donau ertränkt wurde.

Die Agnes-Bernauer-Festspiele, erstmals 1909:

 

Als der Katholische Bürgersöhneverein 1904 mit dem Theaterspielen begann, betrat er völliges Neuland. Jährlich wurden zwei Stücke verschiedenster Art aufgeführt. Dabei entwickelte sich ein Spielerstamm mit Bühnenerfahrung, der sich unter Vorstand Josef Bauer, Schreinermeister von Vohburg, nach fünf Jahren an die schwierige Tragödie wagte. Damals entschied man sich für Agnes Bernauer, Vaterländisches Trauerspiel in vier Akten von Martin Greif, der Vohburg in weitaus größerem Umfang in die Handlung einschloss, als dies beispielsweise Friedrich Hebbel tat. Obwohl nur drei Abendvorstellungen vorgesehen waren, mussten dank der großen Nachfrage zwei Aufführungen nachgeschoben werden. Gespielt wurde im Stöttnerschen Gasthause, vermutlich im Saal des 1. Stocks, der später, um 1950, mit Fremdenzimmern ausgebaut wurde.


Weitere Informationen zu Darstellern und Eintrittspreisen ergeben sich aus dem einzigen Originalprogramm, das heute noch existiert.

Agnes-Bernauer-Festspiele 1926 zur 175-Jahrfeier:

 

Nach dem überlieferten Erfolg von 1909 wurde festgelegt, das Bernauer-Spiel künftig mit markanten Gründungsfesten des Kath. Bürgersöhnevereins zu verbinden. Dementsprechend bereitete man das Spiel unter dem damaligen Vorstand, Gärtnermeister Josef Pflügl, für 1926 zur 175-Jahrfeier vor. Wie ich von meiner Mutter weiß, welche damals die Agnes verkörperte, wurde im Vorfeld über verschiedene Werke heftig diskutiert und auch über einige Besetzungen gestritten. Doch letztlich setzte sich der spielerfahrene Regisseur Hans Zieglmeier sowohl mit dem Stück von Martin Greif (1839 - 1911) als auch mit einer größeren Besetzung als 1909 durch.
Nachdem die drei angekündigten Aufführungen schnell ausverkauft waren, musste die Spielzeit noch um drei weitere Termine verlängert werden, so dass das Drama sechsmal über die Bühne ging. Gespielt wurde seinerzeit im Scheuerlsaale, der zwischen der Burg- und Pfarrhofstraße bzw. der früheren Apotheke und dem Pfarrhof stand. Später war er als Mathes- und Kinosaal bekannt, bevor er 1994 von den Eheleuten Dr. Franz und Franziska Haller abgebrochen wurde. Das Stück wurde zu einem großen Erfolg, von dem man noch lange sprach.

 

Das einzige noch vorhandene Programm gewährt einen Überblick über die damaligen Schauspieler und die Personen, die mit denjenigen von heute völlig identisch sind.

Agnes-Bernauer-Festspiele 1951 zur 200-Jahrfeier vom 13. Mai mit 10. Juni

 

Als der Katholische Bürgersöhne- und Gesellenverein ab 1946 die Theatertradition fortsetzte, stand nur der Saal im Gasthof Strasser zur Verfügung. Die schmale Bühne, fehlende Umkleideräume und die Zuschauerränge, die für max. 150 Personen Platz boten, ließen Spiele mit größerer Besetzung nicht zu. Mit Rücksicht auf die einige Jahre später anstehenden Agnes-Bernauer-Festspiele und die damit gestiegene Zuschauernachfrage musste man anspruchsvollere Stücke mit stärkerer Besetzung aufbieten. Nur so war gewährleistet, ausreichende Darsteller zu testen und auszubilden. Folglich konzentrierte man sich ab 1949 auf den als Lagerraum genutzten Andreassaal in der seit 1880 profanierten (entweihten) Andreaskirche. Dort lagerten während des Krieges Hafer für Ingolstadts Militärpferde und große Tabakballen. Dieses Gebäude, das seit 1880 im Besitz der Stadt Vohburg war, beherbergte im Erdgeschoß den Bauhof, die Feuerwehrgeräte und eine Turnhalle. Im Einvernehmen mit der Stadt richteten die Handwerker und Helfer der Kolpingsfamilie unter Vorstand Ignaz Eichstätter in den Abendstunden und an Wochenenden den Saal her. Sie verstärkten die schmale Podesttreppe, gaben dem Bretterboden eine leichte Schräge, tünchten das Mauerwerk, zimmerten eine ansprechende Bühne und bestückten den Zuschauerraum mit 300 gepolsterten Klappstühlen, die sie aus einem Kino in Vohenstrauß ausbauen durften. Die Forderungen nach einem Notausgang erfüllte man mit dem zusätzlichen Einbau einer Turmtreppe. Damit genügte der Saal den baupolizeilichen Anforderungen, und es gingen bis zu den Festspielen 1951 noch fünf Theaterstücke über die Bühne. Trotzdem blieb er bis zum Einbau des Rathauses und des Rathaussaales 1955/56 ein Provisorium.

 
Mit der Vorbereitung der 200-Jahrfeier und den damit verbundenen Agnes-Bernauer-Festspielen begann der Vereinsausschuss im Spätherbst 1950. Da Rollenbücher von 1926 nicht mehr auffindbar waren, lieh man sich ein Textbuch aus der Bayer. Staatsbibliothek und schrieb es mehrmals maschinenschriftlich ab. Als Anfang 1951 die geschätzte Vorfinanzierung für Kulissen, Kostüme, Requisiten und Werbung von über 3000 DM sowie die Besetzungen der Hauptrollen öffentlich bekannt wurden, mischten sich Altmitglieder und Skeptiker ein. Sie bewegten Herrn Bürgermeister Hierhammer, der als Schirmherr vorgesehen war, eine Versammlung einzuberufen, in der die Vorstandschaft ihr Konzept darzulegen hatte. Obwohl man ihr das Projekt nicht ganz zutraute, wurde die Trägerschaft doch bei der Kolpingsfamilie belassen, dafür aber der Festausschuss um einige Herren aufgestockt, sowie ein Theater-, Finanz- und Öffentlichkeitsausschuss gebildet. Auch setzte sich die Saalaufführung gegenüber einem möglichen Freilichttheater durch. Eine umlaufende Bürgschaftsliste, in der Bürger mit Beträgen zwischen DM 10.- und DM 200.- eine Bürgschaft übernahmen, erbrachte eine Garantiesumme von rd. DM 1.500,-. Damit war beinahe die Hälfte der vorläufigen Ausgaben gedeckt. 


Der Theaterausschuss, überwiegend bestehend aus Spielern von 1926, die immer interessierte Theaterbesucher waren und die Spielerqualitäten einschätzen konnten, beauftragte in Übereinstimmung mit dem Vorstand Herrn Lehrer Rudolf Czepp als Regisseur mit der Inszenierung des Greif-Stücks. Auch die meisten Darsteller und die 14 Bühnenbilder, die Max Heimbucher aus Geisenfeld gemalt hatte, fanden die Zustimmung des Ausschusses. Dagegen gab es bei der Besetzung der Hauptrollen Zerwürfnisse. Weil nicht die von Vorstand lgnaz Eichstätter vorgesehenen Personen, sondern mit der blonden Rita Grabmaier als Agnes, eine Auswärtige aus Oberdünzing sowie mit Schlossermeister Otto Wagner als Albrecht und mit Kaufmann Josef Müller als Herzog Wilhelm zwei Nichtmitglieder ohne Theatererfahrung bevorzugt wurden, lehnte Vorstand Eichstätter jede andere ihm angebotene Rolle ab und trat nach Abwicklung der 200-Jahrfeier zurück. Den letzten Schliff bekamen die Hauptakteure noch von Berufsschauspieler Detlef Winter vom Stadttheater Ingolstadt, der für die fünf Abendproben DM 60,- verlangte und zu den Proben regelmäßig von und nach Ingolstadt gefahren werden musste, was Vohburger Geschäftsleute besorgten. Die mit Spannung erwartete Premiere am Pfingstsonntag, dem 13.05.1951 übertraf alle Erwartungen, was die vielen Ehrengäste und übrigen Zuschauer mit stehendem Applaus quittierten. 


Meinem Vorschlag, Schülervorstellungen anzubieten, nahmen die Herrn Schulräte Wallner, Pfaffenhofen und Baeck, Ingolstadt wohlwollend auf. Sie wiesen ihre Volksschulen an, mit den Klassen 5 bis 8 (Hauptschulen gab es noch nicht) im Rahmen der Heimatkunde einen Wandertag zu den Spielen nach Vohburg zu unternehmen. Als die Schulleitungen rd. 2.350 Schüler mit ihren Lehrern gemeldet hatten, bereiteten uns die Wochentagsaufführungen wegen der auswärts beschäftigten Spieler große Schwierigkeiten. Weil aber die Schulen damals auch an den Samstagen unterrichteten, konnten wir die sechs Schülervorstellungen freitags und samstags ungekürzt abwickeln, obwohl an diesen Tagen auch Abendveranstaltungen anberaumt waren. Nicht die Eintrittspreise von 0,40 DM je Schüler, wobei die Lehrer und 10 % „ärmere Kinder“ frei waren, lohnten die Arbeit, sondern vielmehr die unmittelbar einsetzende Mundpropaganda in der weiteren Umgebung steigerte die Nachfrage, so dass zu den fünf ursprünglich angesetzten noch sechs weitere Erwachsenenvorstellungen gespielt werden konnten. Den Höhepunkt bildete der Festsonntag der 200-Jahrfeier (10. Juni 1951), an dem nicht nur die Nachmittagsvorstellung nach dem Festumzug von auswärtigen Ehrengästen und Vereinen ausgebucht war, sondern auch noch Nachzügler eine überbesetzte Abendvorstellung erwirkten. An diesem Tag führte der Bayer. Rundfunk Interviews mit den Organisatoren und nahm Spielszenen für den Hörfunk auf. Nach der letzten Aufführung flossen bei manchen Darstellern und Funktionären Freudentränen ob der besonders erfolgreichen Festspiele und der gelungenen 200-Jahrfeier. Für die außergewöhnliche unentgeltliche Leistung aller Beteiligten, in 29 Tagen 17 dreistündige Aufführungen durchzustehen, bedankte sich der Festausschuss mit einem kulinarischen Abschlussabend und gewährte 900,- DM für einen Zweitagesausflug ins Allgäu. Festzuhalten ist noch, dass die Spieler von einigen Wirten zum Imbiss und zu Getränken eingeladen wurden und dass Metzger Wurstplatten und Bäcker Brot u. Torten zu jeder Aufführung stifteten. 
Auch hier gibt das nachstehende Programm zusätzliche Informationen.

Agnes-Bernauer-Festspiele 1976 zur 225-Jahrfeier vom 15. Mai mit 20. Juni 1976

 

Fast ein Jahr vor dem Jubiläum, nämlich am 23.07.1975, formierte sich der 14-köpfige Festausschuss mit den integrierten Geschäftsbereichen Organisation und Werbung, Finanzen, Spielleitung und Bühnengestaltung. Man verzichtete auf einen Vorsitzenden, einigte sich auf Josef Steinberger sen. als Sprecher und vereinbarte, dass jedes Ressort eigenverantwortlich nach den Beschlüssen des Festausschusses zu handeln habe. Als Schirmherr wurde 1. Bürgermeister Josef Piller und als Ehrenschirmherr Josef Pflügl sen. berufen, der 1926 Vorstand und aktiver Spieler war und 1951 dem Festausschuss angehörte. In 15 Sitzungen bereitete der Ausschuss die sechswöchigen Festspiele und die 225-Jahrfeier am 19. / 20. Juni 1976 vor, die in zwei Versammlungen bestätigt wurden. Im Gegensatz zu 1951 war diesmal die Vorfinanzierung von 6.500,- DM ohne Spendenaufruf gesichert. Hauptlehrer Max Kirschner überarbeitete das Textbuch von Martin Greif, indem er es kürzte, ohne in den Text selber einzugreifen. Josef Pflügl jun. stellte davon 50 Exemplare im Offsetdruck kostenlos her. Kolpingbrüder verbesserten unter Franz Sixt die Bühnenkonstruktion und renovierten den Rathaussaal, wobei die Stadt die Materialkosten für einen neuen Bühnenboden, einen elektrisch betriebenen Vorhang, das Saaltünchen udgl. in Höhe von über 5000,- DM übernahm. Malermeister Kurt Fahn kreierte die Kulissen für 14 Bühnenbilder und den Vorhang vortrefflich, wobei die Kerkerszene besonderes Lob verdiente.

 
Die Kostüme stellte das Stadttheater Ingolstadt kostenlos zur Verfügung. Fehlende Kleider und Baretts besorgte der Gewandmeister, Herr Günter Biank, von anderen Häusern gegen geringes Entgelt. Er half bei der Einkleidung der Spieler, änderte Unpassendes ab, schuf einen neuen Stoff-Himmel über der Bühne und besuchte die letzten Proben sowie einige Aufführungen. Als Dank spendierten wir Imbisse und warben für das Stadttheater 26 Jahresabonnenten von denen heute noch vier Paare der Stammmiete S angehören.

 
Regisseur Hans Pflügl, selbst viele Jahre aktiver Theaterspieler und Einstudierer, hatte einen exzellenten Spielerstamm herangebildet, mit dem er die Rollen zutreffend nach Alter und Charakter besetzen konnte. Er duldete keine Einmischung von außen und lehnte auch eine professionelle Unterstützung ab. Die Straffung des Textes aber noch mehr die technische Bühnenvorrichtung und natürlich die flinken Kulissenschieber unter Leitung von Franz Sixt bewirkten eine Spielverkürzung von ursprünglich über drei auf 2,5 Stunden. Am Samstag, den 15. Mai 1976 war endlich Premiere, zu der an die 50 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Kultur geladen waren, darunter auch Herr Staatsminister Dr. Hans Eisenmann. Sein Platz war in der 1. Reihe reserviert. Gegen 15.00 Uhr kündigte sein Ministerium telefonisch an, daß noch zwei „Beschützer“kommen, die zwei bis drei Stuhlreihen schräg hinter ihm sitzen sollten. Gegen 16.00 Uhr traf die erschreckende Nachricht ein, dass die Beatrix-Darstellerin, JolandaMaierhofer, einen schweren Verkehrsunfall erlitten habe und im Krankenhaus liege. Regisseur Pflügl, der seine Truppe fest im Griff hatte, reagierte schnell, rief für 18.00 Uhr eine Probe ein und ließ der Souffleuse Monika Schmidt die Beatrix (Tochter von Herzog Ernst) spielen. Sie verkörperte die Rolle bei allen Aufführungen bravourös. 


Zwischendurch wurden die Spieler eingekleidet und von Helmut Eisele geschminkt, so dass die Erstaufführung ohne Verzögerung und Auffälligkeit um 20.00 Uhr über die Bühne ging. Als Souffleuse sprang Marianne Baumer ein. 


Dieser Vorfall war Anlass dafür, die Hauptrollen bei den diesjährigen Agnes-Bernauer-Festspielen doppelt zu besetzen. Urspünglich sollte das Spiel von Samstag, 15. Mai bis Pfingstsonntag, 06.Juni 1976 an fünf Abenden und zwei Nachmittagen sowie die fünf Schülervorstellungen für die 1550 Hauptschüler mit 52 Lehrern an drei Werktagen aufgeführt werden. Aber wie schon 1951 erzeugten die Schüler, besonders in der ferneren Umgebung, eine so große Nachfrage, dass die Spielzeit bis Sonntag, den 20. Juni 1976, dem Tag der 225-Jahrfeier verlängert wurde und in diesen zwei Wochen noch sechsmal der Vorhang fiel. 


Die 225-Jahrfeier mit Festabend, Kirchen- und Festzug verlief am 19./20. Juni 1976 reibungslos. Die Theatergruppe marschierte bei sengender Hitze in ihren Kostümen mit und wurde von den vielen Zuschauern mit Begeisterung beklatscht. Die 18. Aufführung nach dem Festumzug war mit Ehrengästen und auswärtigen Vereinen voll besetzt. Im Auftrag des verhinderten Landrats, Herrn Dr. Traugott Scherg überreichte Oberschulrat Martin Sedlmeier an die Hauptdarsteller Luise Romberg (Agnes) und Hans Kalb (Albrecht) sowie den Spielleiter Hans Pflügl, stellvertretend für alle Beteiligten, Erinnerungsgeschenke. Über 4000 Erwachsene und fast 1600 Schüler haben die Spiele besucht. Dank gebührte diesbezüglich den Kassieren Max Kopp und Franz Dörfler, die zu den 300 ausverkauften Sitzplätzen immer noch einige Nachzügler über die Abendkasse unterbrachten – übrigens sehr zum Leidwesen der aufsichtsführenden Feuerwehr. 


Mit einem Abendessen und erlesenen Getränken im Vereinslokal Antonibräu gingen die fünf sehr erfolgreichen Festwochen mit 18 Aufführungen, eine mehr als 1951, und die 225-Jahrfeier der Kolpingsfamilie Vohburg zu Ende. 


Als Dank für die hervorragende Moral und Leistung über Monate hinweg, organisierte der Festausschuss auf Kosten des Vereins eine Fahrt zu einer Agnes-Bernauer-Freilichtaufführung nach Straubing, ein Abschlusskränzchen im Vereinslokal und einen Besuch des Freilichtspieles „Liliom“ , um sich beim Stadttheater Ingolstadt für die überlassenen Kostüme, für die nur Reinigungs- und Versicherungskosten anfielen, erkenntlich zu zeigen. 


Es verdient noch festgehalten zu werden, dass die örtlichen Wirte nach den Abendvorstellungen fast regelmäßig zu Imbiss und Umtrunk einluden und dass auch die Metzger und Bäcker aus ihren Sortimenten spendeten. Lag keine Einladung vor, suchte man sich in verschiedenen Privathäusern von den rd. vierstündigen Strapazen zu erholen. In der Abschlussversammlung am 23.08.1976 wurde Rechenschaft gelegt. Vor allem wurde der Vorschlag des Festausschusses einstimmig angenommen, 5000 DM zweckgebunden als Rücklage für die Agnes-Bernauer-Festspiele 2001 anzulegen. DM 1000.- wurden für Ruhebänke und DM 500,- für eine soziale Einrichtung gestiftet. Bei der damaligen Rücklage ging man von gewohnten Preissteigerungen für Saalaufführungen aus. Sie hat sich inzwischen gut verzinst und trägt zur Anfinanzierung der unvergleichlich höheren Kosten, die im Rahmen der diesjährigen Freilichtspiele anfallen und denen ich den gleichen Erfolg wie 1976 wünsche, bei.

Der Verfasser:

(Josef Steinberger sen.) Meine Kenntnisse beruhen aus Überlieferungen meiner Eltern, Josef und Walburga Steinberger geb. Pflügl, die beide begeisterte Laienspieler beim Bürgersöhne- und Gesellenverein waren. Die Mutter spielte 1926 die Agnes. Ich bin seit 1946 Mitglied der Kolpingsfamilie und habe die Festspiele 1951 als Schriftführer des Vereins und 1976 als Sprecher des Festausschusses mitorganisiert.

Die Agnes Bernauer Festspiele 2001 zur 250-Jahrfeier

 

Zur 250 Jahrfeier beschloss die Kolpingsfamilie Vohburg eine vollständige Änderung umzusetzen. Aufgrund der mangelnden Örtlichkeiten in Vohburg wurden die Agnes Bernauer Festspiele erstmalig am Originalschauplatz auf dem Burgberg als Freilichtaufführungen inszeniert. Mit 120 Mitwirkenden vervierfachte sich die Darstellerschar. Pferde, Kutschen, Bademägde, Ritter etc. bereicherten die Szenerie. Das finanzielle Budget sprengte den Rahmen. Sponsoren aus Vohburg und der Umgebung beteiligten sich in großem Maße. Nach 25 ausverkauften Vorstellungen mit über 15000 Besuchern konnte auch diese Spielzeit als absolut erfolgreich eingestuft werden.

Bühnenfassung nach dem Original von Martin Greif: Lenz Prütting. Regie: Ernst Grauvogl.

Die Agnes Bernauer Festspiele 2005

 

Wegen der großen Nachfrage und der positiven Resonanz beschloss der Festausschuss den Turnus der Agnes Bernauer Festspiele auf vier Jahre zu verkürzen und bereits 2005 erneut am Burgberg zu inszenieren. In 15 Vorstellungen strömen wiederum rund 12 000 Menschen in die Herzogstadt um die Darbietungen von mehr als 100 Schauspielern und Musikern zu verfolgen.

Bühnenfassung nach dem Original von Martin Greif: Lenz Prütting. Regie: Ernst Grauvogl.

Die Agnes Bernauer Festspiele 2009

 

Den 100. Geburtstag der Uraufführung nahm der Festausschuss  2009 zum Anlass ein neues Bernauer-Stück schreiben zu lassen. Mit Dr. Isabella Kreim, Theaterwissenschaftlerin aus Ingolstadt, wurde erstmals ganz bewusst eine Frau mit der Bearbeitung des historischen Stoffs beauftragt. Die Kreim’sche Fassung ist völlig neu. Sie beschleunigt die Dialoge, nutzt das Bayerische, orientiert sich eng an den historisch belegten Tatsachen und gewährt folglich einen realistischen Blick auf die damalige Zeit. Der bayerische Ministerpräsident Seehofer übernahm für dies Spiele die Schirmherrschaft, sein Kultusminister besuchte bereits zum zweiten Mal unsere Freilichtaufführung.

Buch: Isabella Kreim. Regie: Ernst Grauvogl.

Die Agnes Bernauer Festspiele 2013

Auch im Jahre 2013 wurde die Fassung von Frau Dr. Isabella Kreim aufgeführt. Dieses Mal wurde in Christine Neuberger auch die Regie einer Frau übertragen. Neuberger, die jahrelang bei Franz-Xaver Kroetz assistierte, lotete die Zerrissenheit und die Fallhöhe der Agnes Bernauer weiter aus, indem Sie zunächst eine märchenhafte Liebesgeschichte zeigte, die jäh in einem Alptraum enden sollte. In punkto Kostümen, Massenszenen, Pferdeeinsatz und Kampfszenen setzten die Agnes-Bernauer-Festspiele 2013 neue Maßstäbe. Ein Höhepunkt der Inszenierung war die am Ende in sich zusammenfallende Bühne, die die ausweglose Situation der Agnes unterstrich.

Buch: Isabella Kreim. Regie: Ernst Grauvogl.